
Mehr Spindeldrehzahl, höhere Antriebsleistung, schnellerer Eilgang: Wer die technischen Daten von CNC-Maschinen miteinander vergleicht, findet zahlreiche Werte, die etwas über ihre Leistungsfähigkeit aussagen. Doch bedeuten bessere Leistungsdaten automatisch auch eine höhere Produktivität?
Nicht unbedingt. Denn wie produktiv eine CNC-Maschine tatsächlich arbeitet, entscheidet sich erst in der konkreten Fertigung. Eine Maschine, die für einen bestimmten Produktionsprozess hervorragend geeignet ist, kann bei einem anderen Werkstückspektrum oder anderen Losgrößen ihre Stärken möglicherweise kaum ausspielen.
Bei der Auswahl einer gebrauchten Maschine kommt es deshalb darauf an, technische Leistungsdaten immer im Zusammenhang mit der geplanten Fertigungsaufgabe zu betrachten. Genau hier setzt unsere Beratung als Gebrauchtmaschinenhändler an: Nicht die CNC-Maschine mit den höchsten Leistungswerten ist automatisch die beste Wahl, sondern die Maschine, deren Eigenschaften möglichst gut zu Werkstücken, Prozessen und betrieblichen Anforderungen passen.
Produktivität ist mehr als eine kurze Bearbeitungszeit
Natürlich spielt die reine Bearbeitungszeit eine wichtige Rolle. Wenn sich ein Werkstück schneller drehen oder fräsen lässt, können in einem bestimmten Zeitraum mehr Teile gefertigt werden.
Für eine realistische Beurteilung der Produktivität reicht die Zykluszeit allein jedoch nicht aus. Entscheidend ist letztlich, wie effizient aus einem Rohteil ein Gutteil wird – und mit welchem Aufwand sich dieser Vorgang zuverlässig wiederholen lässt.
Neben der eigentlichen Zerspanungsleistung wirken sich deshalb viele weitere Faktoren auf die Produktivität aus: Rüstzeiten und Werkzeugwechsel ebenso wie Automation, Prozesssicherheit, Bedienung oder die Abstimmung der Maschine auf Material, Werkstückgeometrie und Losgröße.
Gerade beim Kauf einer Gebrauchtmaschine lohnt sich daher der Blick auf das Gesamtpaket.

Bild: Vertikale CNC-Drehmaschine DMG CTV 400 V3 mit Palettenwechsler für effiziente Fertigung
Rüstzeiten: Produktivität beginnt, bevor die Spindel läuft
Bei wechselnden Aufträgen verbringt eine Werkzeugmaschine nicht ihre gesamte verfügbare Zeit mit der Bearbeitung. Werkzeuge müssen bereitgestellt, Spannmittel eingerichtet, Programme geladen und Werkstücke eingerichtet werden. Je nach Fertigungsstruktur können diese Rüstvorgänge einen erheblichen Anteil der verfügbaren Maschinenzeit beanspruchen.
Das ist insbesondere bei Einzelteilen sowie kleinen und mittleren Losgrößen relevant. Wird eine Maschine häufig auf neue Werkstücke umgerüstet, kann eine unkompliziert und schnell einzurichtende Maschine im praktischen Einsatz produktiver sein als ein nominell schnelleres Modell.
Bei der Auswahl einer gebrauchten CNC-Drehmaschine oder CNC-Fräsmaschine betrachten wir deshalb nicht nur, wie schnell sie zerspanen kann. Ebenso interessant ist, wie gut sich die Maschine in die vorgesehenen Abläufe integrieren lässt.
Welche Spannmittel können verwendet werden? Wie schnell lassen sich Werkzeuge und Aufträge wechseln? Welche Möglichkeiten bietet die vorhandene Ausstattung? Passt sie zu den bereits im Betrieb eingesetzten Systemen?
Die Antworten darauf können für die tatsächliche Produktivität wichtiger sein als einzelne Spitzenwerte aus dem Datenblatt.
Werkzeugwechsel: Nicht nur Sekunden zählen
Bei Fräsmaschinen und Bearbeitungszentren ist auch das Werkzeugmanagement ein wichtiger Bestandteil des Fertigungsprozesses. Ein schneller automatischer Werkzeugwechsel reduziert Nebenzeiten – doch allein die Wechselzeit sagt noch wenig darüber aus, wie gut das System zur jeweiligen Produktion passt.
Mindestens ebenso wichtig sind Kapazität und Ausführung des Werkzeugmagazins. Können alle für die geplanten Bearbeitungen benötigten Werkzeuge vorgehalten werden? Wie flexibel lässt sich das Magazin für unterschiedliche Aufträge nutzen? Müssen Werkzeuge häufig manuell getauscht und neu eingerichtet werden?
Gerade bei komplexen Bauteilen oder einer Fertigung mit wechselndem Werkstückspektrum kann ein passend dimensioniertes Werkzeugmagazin dazu beitragen, Unterbrechungen zu vermeiden.
Auch hier gilt deshalb: Nicht der schnellste Einzelvorgang entscheidet, sondern ein möglichst reibungsloser Gesamtprozess.

Bild: Werkzeugmagazin einer DMG DMC 340 U mit 12 Werkzeugplätzen
Automatisierung: Mehr ist nicht automatisch produktiver
Palettenwechsler und -speicher, Stangenlader, Roboter zur Werkstückbeschickung oder integrierte Messtechnik können die Produktivität einer CNC-Maschine erheblich steigern. Für die Beurteilung einer Gebrauchtmaschine ist jedoch eine andere Frage entscheidend: Passt die vorhandene Automation zur geplanten Fertigungsaufgabe?
Eine automatisierte Werkstückbeschickung kann beispielsweise bei größeren Serien und kurzen Bearbeitungszyklen einen erheblichen Produktivitätsgewinn ermöglichen. Werden dagegen häufig kleine Losgrößen mit unterschiedlichen Werkstücken gefertigt, gewinnen Flexibilität und Umrüstaufwand an Bedeutung. Eine aufwendige Automation ist dann nicht zwangsläufig die wirtschaftlichere Lösung.
Ähnliches gilt für die mannlose Fertigung. Soll eine Maschine über längere Zeit unbeaufsichtigt produzieren, kommt es nicht allein auf die automatische Be- und Entladung an. Werkzeugstandzeiten, Prozessüberwachung, Messtechnik, Materialversorgung und Späneabfuhr müssen ebenfalls darauf ausgelegt sein. Die Produktivität ergibt sich aus dem Zusammenspiel des gesamten Prozesses.

Bild: Robotergestützte Automation DMG Robo2Go
Auch die Umgebung der Maschine sollte berücksichtigt werden. Wenn ein vor- oder nachgelagerter Arbeitsschritt den Durchsatz begrenzt, führt eine schnellere automatisierte Beschickung nicht zwangsläufig zu mehr fertigen Teilen.
Bei der Auswahl einer Gebrauchtmaschine für einen Kunden betrachten wir vorhandene Automation deshalb nicht nach dem Prinzip „je mehr, desto besser“. Entscheidend ist vielmehr, welchen konkreten Nutzen sie im Fertigungsprozess des Käufers bietet. Je besser Automation, Werkstückspektrum, Losgrößen und betriebliche Abläufe zusammenpassen, desto eher kann die Maschine ihr Produktivitätspotenzial tatsächlich ausschöpfen.
Präzision und Wiederholgenauigkeit: Produktivität misst sich an Gutteilen
Geschwindigkeit allein nützt wenig, wenn die gefertigten Werkstücke anschließend nachbearbeitet werden müssen oder Ausschuss entsteht.
Präzision und Wiederholgenauigkeit gehören deshalb ebenfalls zur Produktivitätsbetrachtung. Ein stabiler Fertigungsprozess, bei dem die geforderten Toleranzen zuverlässig eingehalten werden, kann wirtschaftlich wertvoller sein als eine möglichst kurze theoretische Bearbeitungszeit.
Dieser Aspekt ist bei CNC-Gebrauchtmaschinen besonders wichtig. Eine Maschine kann konstruktiv hervorragende Leistungsdaten besitzen – entscheidend ist jedoch, welchen technischen Zustand sie heute hat und welche Genauigkeit sie noch zuverlässig erreicht.
Deshalb prüfen wir die gebrauchten Maschinen, die wir in unser Sortiment aufnehmen, nicht nur hinsichtlich ihrer Ausstattung und Funktion. Auch ihr technischer Zustand spielt bei der Beurteilung eine zentrale Rolle. Soweit aktuelle Messprotokolle vorhanden sind, können diese zusätzliche Informationen über die Genauigkeit der Maschine liefern.
Die Frage lautet also nicht nur: Wie schnell kann die Maschine produzieren? Ebenso wichtig ist: Wie zuverlässig produziert sie Gutteile in der geforderten Qualität?
Programmierung und Bedienung: Vorhandenes Know-how beeinflusst die Produktivität
Eine neu angeschaffte CNC-Maschine steht nicht isoliert in der Fertigung. Sie muss in bestehende Prozesse integriert und von den Mitarbeitern programmiert, eingerichtet und bedient werden können.
Eine im Unternehmen bereits bekannte Steuerung kann beispielsweise Vorteile bieten. Programme und Erfahrungen sind möglicherweise vorhanden, Mitarbeiter mit der Bedienung vertraut und etablierte Abläufe lassen sich leichter übertragen.
Umgekehrt kann eine leistungsfähigere Maschine zusätzlichen Schulungs-, Programmier- oder Integrationsaufwand verursachen. Das muss kein Argument gegen sie sein – sollte bei der Beurteilung der zu erwartenden Produktivität aber berücksichtigt werden.
Bei einer gebrauchten Drehmaschine oder einem Bearbeitungszentrum ist deshalb auch die vorhandene Steuerung ein wichtiges Auswahlkriterium. Sie muss nicht nur technisch zur Maschine passen, sondern sollte möglichst auch zum betrieblichen Umfeld des Käufers passen.

Programmierung einer CNC-Maschine (Bild: © Monkey Business – adobe-stock.com)
Werkstück und Material: Leistung muss an der richtigen Stelle vorhanden sein
Ob hohe Drehzahl, hohes Drehmoment, große Antriebsleistung oder besonders dynamische Achsenbewegungen von Vorteil sind, hängt stark von der jeweiligen Bearbeitungsaufgabe ab.
Eine hohe Spindeldrehzahl kann beispielsweise für bestimmte Fräsbearbeitungen besonders interessant sein. Bei anderen Anwendungen können dagegen Drehmoment, Maschinensteifigkeit oder Zerspanungsleistung stärker ins Gewicht fallen.
Auch Werkstückgröße und -geometrie beeinflussen die Auswahl. Verfahrwege, Arbeitsraum, Tischgröße, maximale Werkstückgewichte oder bei einer Drehmaschine beispielsweise Drehdurchmesser und Drehlänge setzen ganz praktische Grenzen.

Bild: CNC-Langdrehmaschine Gildemeister GD32-6 mit Stangenlademagazin von Iemca für die Bearbeitung von langen, rotationssymmetrischen Kleinteilen in großen Serien
Hinzu kommt das zu bearbeitende Material. Die Anforderungen bei der Bearbeitung von Aluminium unterscheiden sich von denen bei Stahl oder schwer zerspanbaren Werkstoffen.
Eine CNC-Fräsmaschine mit beeindruckenden Spitzenwerten ist daher nicht automatisch die produktivere Fräsmaschine. Ebenso wenig ist die leistungsstärkste CNC-Drehmaschine für jede Drehbearbeitung die wirtschaftlichste Lösung. Leistung ist vor allem dann wertvoll, wenn sie zur konkreten Bearbeitungsaufgabe passt.
Losgrößen: Flexibilität oder optimierter Dauerlauf?
Auch die typische Losgröße verändert die Anforderungen an eine Maschine erheblich.
Ein Betrieb, der Einzelteile und kleine Serien mit häufig wechselnden Aufträgen fertigt, benötigt andere Eigenschaften als ein Unternehmen, das über längere Zeit große Stückzahlen desselben Bauteils produziert.
Bei kleinen Losgrößen können kurze Rüstzeiten, flexible Spannmöglichkeiten, einfache Programmierung und ein unkomplizierter Wechsel zwischen verschiedenen Aufträgen besonders wichtig sein.
Mit zunehmender Seriengröße gewinnen dagegen andere Faktoren an Gewicht. Selbst kleine Unterschiede in Zyklus- und Nebenzeiten summieren sich über Tausende Werkstücke. Gleichzeitig kann eine auf die jeweilige Fertigung abgestimmte Automation ihre Vorteile wesentlich stärker ausspielen.
Die Frage nach der produktivsten CNC-Maschine lässt sich deshalb kaum beantworten, ohne die typischen Losgrößen des Betriebs zu kennen.
Nicht die schnellste Maschine suchen, sondern die passende
Beim Vergleich gebrauchter Drehmaschinen, Fräsmaschinen oder Bearbeitungszentren sind technische Daten unverzichtbar. Sie zeigen, was eine Maschine grundsätzlich leisten kann. Ob sie für einen bestimmten Betrieb tatsächlich produktiv ist, lässt sich daraus allein jedoch nicht ablesen.
Deshalb steht bei unserer Beratung zunächst die geplante Fertigungsaufgabe im Mittelpunkt:
- Welche Werkstücke sollen bearbeitet werden?
- Welche Materialien kommen zum Einsatz?
- Welche Losgrößen sind typisch?
- Wie häufig wird umgerüstet?
- Welche Steuerungen und Spannsysteme sind bereits vorhanden?
- Welcher Automatisierungsgrad ist sinnvoll?
- Welche Anforderungen bestehen an Genauigkeit und Prozesssicherheit?
Gerade beim Kauf einer Gebrauchtmaschine ist diese Betrachtung wichtig. Anders als bei einer individuell konfigurierten Neumaschine ist die Ausstattung bereits vorhanden. Die Aufgabe besteht deshalb darin, eine CNC-Gebrauchtmaschine zu finden, deren Leistungsprofil und Ausstattung möglichst gut zu den Anforderungen des Käufers passen.
Unsere Erfahrung mit unterschiedlichen Maschinen, Herstellern und Fertigungskonzepten hilft uns dabei, diese Anforderungen mit den verfügbaren Maschinen abzugleichen.
Denn am Ende zählt nicht, welche Maschine auf dem Papier am schnellsten ist. Entscheidend ist, welche Maschine im konkreten Fertigungsprozess zuverlässig die geforderte Qualität produziert – mit möglichst wenig unproduktiver Zeit und einem Aufwand, der zur jeweiligen Fertigung passt.
Oder kurz gesagt: Die produktivste CNC-Maschine ist diejenige, die zur Aufgabe passt.



